Destroy Rock & Roll
Zweiter Eintrag dieses Mammutwochenendes. Sollte man nur lesen, wenn man viel Zeit mit sich bringt.
Zurück in Madrid gingen wir erstmal für das Barbecue am Sonntag einkaufen, aber dazu später mehr.

Nur kurz vorweg: Christoph realisierte eine Idee, von der er seit ca. 10 Tagen quasi besessen war. Auch die Details hierzu erläutere ich lieber später.

Christophs Versuch, eine Botellón in der Metro zu dokumentieren. Natürlich waren wir wieder auf dem Weg zu La Latina.

Angekommen. Mir kamen die Bierbecher noch größer vor, als am Vortag. Vieleicht hat Alina aber auch nur kleinere Hände…

Genaugenommen war es noch voller als am Vortag. Die Musik war leider schlechter. Zusammenhang?

Auf jeden Fall wurde viel getanzt und die Stimmung war äußerst gut. Stilsicher kaufte sich Daniel von einer der chinesischen Händlerinnen ein LED-Schwert, um…

…den Sohn seiner Vermieterin zu attackieren. Wenn ich seinen Namen in 2 Woche nicht verinnerlicht habe, werde ich ihn auf meinen linken Unterarm tätowieren lassen. Ehrenwort.

Ein LED-Seestern durfte natürlich auch nicht fehlen.

Weiter zu einem Club. Alex und Jan aus Frankreich zur rechten, links der namenslose Vermietersohn.
So lange wollten wir uns nicht dort aufhalten, weshalb wir kurze Zeit später durch die Straßen zogen, um einen “anständigen” Club zu finden. Leider wollten alle anständigen Clubs 15 Euronen Eintritt und die Tatsache, daß sich die Porsches und Boliden italienischen Fabrikats vor diesen bis zum Horizont reiten, ermutigte keinen von uns so wirklich, diese Investition zu tätigen.
Letztendlich strandeten wir in einem Laden, der sich “Black Jack” nennt. Bemerkenswert ist eigentlich nur der Straßenfeger des Black Jack, der eine ganz eigene Strategie verfolgt, um Kundschaft zu werben:

“Oh beautiful girl! I love you! My live! Do you have a website?” Funktioniert immer. Immer. Nachdem ich ihn um ein Foto gebeten hatte, machten Alina und Alex gezwungenermaßen gute Mine zum bösen Spiel. Immerhin besitze ich heute noch ca. den halben Stapel an Getränkegutscheinen, die der Kerl in der linken Hand hält. Freier Eintritt und ab nach unten.

Mal Klartext: Ein Scheißladen. Aber wirklich. Schlimmer als das Far Out. Könnte noch Stunden über den Laden herziehen… Aber wir waren nunmal da und niemand wollte so recht gehen, weshalb ich eigene Wege beschritt, um die Situation zu lösen:

Man kann sich bekanntlich so ziemlich alles auf Erden schöntrinken. Also nichts wie ran…

Außerdem: Neben Christoph hätte ich auch ein Faß Absinth austrinken können, ohne aufzufallen. Und das schlimmste daran ist: Ich weiß nichtmal, weshalb er eigentlich so verstrahlt aussieht. Vieleicht zeichnet sich da einfach eine Bronchitis ab…

Alina und Bernd. Vier Augen, ein Foto.

Gewisse Indizien verdichteten sich, daß in diesem Etablissement auch Kokain konsumiert wurde. Wer mir nicht glaubt, schaue sich bitte dieses Video an:
Ok, nach 6 Liter Kaffee tanze ich auch so, aber wer trinkt um 4 Uhr morgens noch so viel Kaffee?!

Irgendwann traute sich auch Alex auf einen der 1qm “Dancefloors”.

Mir wurde das alles zu viel und ich setzte mich vor die Tür, um das vierte Kapitel dieses großartigen Romans bei einer Flasche Wasser zu beenden. Das komische daran war, daß meine Mitstreiter mich für vollkommen verückt hielten, als sie mich um 5:30 lesend auflasen, obwohl sie alle freiwillig eine weitere Stunde im Black Jack verbracht hatten. Go figure…

Warten auf die erste U-Bahn. Für mich ein Novum in Madrid, obwohl ich insgesamt schon fast 5 Monate hier gelebt habe und sicher nicht selten aus war…

Auf der anderen Bahnsteigseite - wie seriös - ein Herr im beigen Anzug mit weißen Lederschuhen. Manchmal will ich gar nicht wissen, was gewisse Leute so beruflich machen.

Ich habe noch unzählige “Leichen” fotografiert. Hier ein Beispiel…
Kurz vor Sonnenaufgang waren wir dann zu Hause und nach einer recht kurzen Pause ging es weiter zum Stierkampf:

Gefolgt von zähen Verhandlungen mit dem Schwarzmarkt kauften wir einfach reguläre Tickets für 3 €. Normalerweise ist der Ticketverkauf am Stadion Sonntags nicht geöffnet und folglich hätten wir fast 7 € für diese Sitze ausgegeben. Glücklich über die schlechten, aber billigen Plätze betraten wir das Stadion.

Unsere Freude wurde jedoch recht schnell getrübt - es stellte sich heraus, daß wir keinem gewöhnlichen Stierkampf beiwohnten, sondern die Version auf Pferden vorgesetzt bekamen. Anfangs recht spannend, aber nach 20 Minuten doch eher anstrengend. Außerdem hatten wir einen schlechten Start mit dem ersten Stier:
Offensichtlich wurde dem Tier versehentlich in die Lunge gestochen. Kurz nachdem wir Eintritt erlangten stand das Tier einfach nur noch da und spuckte Blut. So ungefähr 2 Liter. Danach fiel er um und entließ nochmal die gleiche Menge aus seinem Maul. Eine bessere Werbung gegen Stierkämpfe kann ich mir schwer vorstellen.
Ich bin ja trotz meiner vegetarischen Vergangenheit starker Befürworter des Stierkampfes, aber das war einfach nur erbärmlich.
Hier noch einige Bilder vom restlichen Stierkampf:

Daß Pferde so etwas mitmachen, spricht nicht wirklich für ihre Intelligenz (obwohl sie meistens unbeschadet bleiben).

Das Teil hat er wirklich im Stier versenkt.

Zuletzt noch ein Fall, bei dem der Stier einfach nicht mitspielt. Am Ende stehen 4 Leute um das Tier, um es zum Angriff zu bewegen, damit sie es endlich töten können. Eigentlich nicht mein Fall…

Danach ging es gleich weiter auf Christophs Terasse. Christoph wurde von Christine vor ca. 10 Tagen dazu inspiriert, Campari-Eiswürfel zu produzieren. Seine sofortige Begeisterung wich einer ausgeklügelten Planung und genau dies war der Moment, um die erste wirkliche Testreihe zu verköstigen. Fazit: Trotz beigemischter Orangensaft-Würfel wird der Drink am Ende trotzdem stärker und Campari am Stäbchen muß unbedingt ausprobiert werden. Tage der Begeisterung und dann so ein banales Ergebnis…

Alex und Diana, die normalerweise Geschäftsenglisch den Spaniern näherbringt. Sie kommt aus Calgary/Kanada und ich konnte mir zur Begrüßung nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, daß die Region die höchste Suizidrate in Kanada aufweist.
Nach kurzer Irritation kamen wir dann doch ins Gespräch über Musik. Die Headstones sowie Death Cab for Cutie wurden rege diskutiert. Danach wurden überhöfliche Geschäftsmails formuliert: “We are deeply sorry to inform you that we can not sustain the amount of Argentinian beef we promised to deliver beforehand”…

Genaugenommen hatten wir jedoch einiges auf dem Rost.
Kurze Zeit später verabschiedete ich mich, um eine Packung Zigaretten zu kaufen. Wie sich herausstellte, war dies im Umkreis von einem Kilometer jedoch nicht möglich, so daß ich ungefähr eine halbe Stunde durch das nördliche Madrid irrte, um dann einen Straßenfeger zu finden, der mich zu einem “Club” führen sollte. Der Mann hatte ein Charisma, welches ich nur mit Ostblock charakterisieren kann, aber daran störte ich mich nicht und wir plauschten auf dem Weg über den Fall der Mauer in Berlin. In dem Laden stellte sich dann heraus, daß ich in einem Puff mit Barbetrieb gelandet war. Konzept des ganzen Ladens: “Bleib doch für einen Drink” (Mindestkonsumption 15 Euro). Eher unbeeindruckt schwätzte ich dem Barkeeper eine Packung Marlboro Light für 5 Euro ab, um mich dann auf den Weg zurück zum Barbecue zu machen. Jedoch wurde ich von dem Besitzer sowie dem Straßenfänger recht grob abgefangen (letzterer hoffte noch auf seine Prämie). Manchmal bin ich glücklich, daß mein Spanisch nicht perfekt ist, denn ich schaffte es sehr direkt, meinen Abgang durchzusetzen.
Mitlerweile waren alle im Paseo de la Habana etwas ausgekreist:

Bernd hatte eine Shisha mitgebracht und drumrum wurde eher exzentrisch getanzt.

Carim seriös wie immer.

Ein Film aus den Vereinigten Staaten. Wer weiß es, wer weiß es?

Space Cadets. War ja auch ziemlich hell um 4 und Mylo läd zu allerlei Blödeleien ein.

Leider schlägt sich das auch in meinem wöchentlichen last.fm Profil nieder…
Ich will mir gar nicht überlegen, was ich von jemandem halten würde, den ich zuerst über sein last.fm Profil mit Mylo auf Platz 2 kennenlernen würde. So einer Person würde ich jedenfalls mit gesundem Mißtrauen gegenüberstehen…
Irgendwann ging es dann nach Hause und nach ca. 6 Stunden wurde der nächste Tag eingeleitet.
Up next: Illegale Drogen in Sichtweite, Retiro und Clubs die um 5 voll werden.
23. August 2006 um 20:26
u have a website??!!!
na auf “up next” bin ich ja mal gespannt….
danke für die schöne, kulturbehangene (?) woche in madrid…
liebe grüße
24. August 2006 um 13:44
hey robert!
I’ve no time for the moment to create my website (!!) but if you want any photo, send me an e-mail!
it’as so good to see you again and to remember this funny moment we had.
excuses for mistakes.
thanks a lot.
viva madrid! and fiesta, of course!