Valle de los Caídos
Ja, wir waren da. Daß man sich in fremden Ländern nationalsozialistische Prunkbauten anschaut bedarf natürlich einer Erklärung, aber erstmal ein Paar Bilders:

Bevor es in den Bus ging wurde erstmal im Rodilla von El Escorial gespeist. War auch gut so, denn so mußten wir im Restaurant vor Ort nichts essen.

So gewisse Zweifel stellten sich mitlerweile ein. Was machen die wohl mit den 8 Euro, die wir für den Eintritt jeder gezahlt haben?

So sieht das Tal also von weitem aus. Das Kreuz kann man selbst vom 60 km entfernten Madrid noch sehen.

Christoph auf dem Parkplatz.

Das kommt dabei heraus, wenn man Touristen bittet, ein Foto zu machen. Am Ende fehlt der Visual Hint, wo man ist und außerdem sind die Beine abgeschnitten. Nicht, daß ich undankbar wäre…

Der Eingang zur Kirche. Wurde übrigens 1960 von Papst Johannes XXIII zur Basilika erhoben. Das ist das letzte mir bekannte politisch beeinflusste Vergehen der katholischen Kirche, aber was weiß ich schon…

Der Platz vor der Basilika läd förmlich zu Militärparaden ein.

Von eben diesen Platz aus kann man auch die Größe des Einganges annähernd erfassen. Da kommt einem selbst Tempelhof in Berlin etwas mickrig vor.

Das vereitelte Gruppenfoto konnten wir mit etwas Improvisationstalent letztendlich ohne Hilfe machen.

Im Eingang fallen zuerst die mit Energiesparlampen bestückten mittelalterlichen Leuchter auf. Mir liegt es fern, Tips zu geben, wie man Nazistätten trotz eingeschränktem Budget ansprechend gestaltet, aber so jedenfalls nicht.

Zwei Engel bewachen den Bereich hinter dem Eingang.

Steht man genau zwischen diesen Engeln schaut man auf diese Szene.

Eigentlich darf man keine Artsyshots in solchen Hallen machen, aber wir konnten einfach nicht anders. Ich bitte um Nachsicht.

Steht man dann unter dem Kreuz im Zentrum der Basilika befindet man sich dirket unter dem gigantischen Kreuz auf dem Berg. Eigentlich war die Anlage noch größer geplant, aber dann wollte man einige Rekorde des Petersdoms nicht brechen…

Um das Kreuz stehen 4 gigantische Engel. Leider reichte der Blitz meiner Kamera nicht, um einen vollständig auszuleuchten. Die sind einfach zu groß.

Franco liegt relativ bescheiden unter einer Bodenplatte begraben. Jedoch ist Bescheidenheit ein subjektiver Begriff, wenn man inmitten dieser Gigantomanie vor seinem Grab steht. Eigentlich wollte er auch in Madrid begraben werden.

Nochmals: Das hat ein Papst zur Basilika erklärt!? Im Jahr 1960!? Hallo?

Ich mußte da raus, aber den Shop konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Groß, was es da alles gab.

Durch die Eingangsbögen ging es dann zur Seilbahn, welche uns zum Sockel des Kreuzes führen sollte.

Der Sockel wird umsäumt von den 4 Evangelisten und einigen Figuren, auf die ich mir keinen Reim machen kann. Die Figuren bestehen aus Blöcken von ca. 400 Kilogrammblöcken, welche recht krude zusammengemörtelt wurden.
Das Kreuz ist über 150 Meter hoch und genau 40 Meter breit. Mir war etwas übel, denn ich hatte in einem Artikel der FAZ einmal gelesen, daß es bei starkem Wind um 20 cm schwankt. Stein ist ja bekanntlich recht unbiegsam…

Vom Kreuz aus kann man auch das dazugehörige Benediktinerkloster sehen. Könnte jetzt noch 2 Seiten über die Launen der Päpste herziehen, aber ich erspare euch mal den Rant.

Welcher Apostel/Herrenmensch mag wohl hier gemeint sein?

Wie gesagt war es sehr windig.

Ungefähr so sieht neoklassizistische Klimatechnik aus.

Kleine Verschnaufpause.

Ein letzter Blick vom Sockel aus.

Wartend auf den Bus nach El Escorial kreisten wir noch ein wenig aus.
Noch eine kurze Erklärung, weshalb wir diese Fahrt eigenlich gemacht haben: Es liegt eigentlich an mir, denn ich habe die beiden Chris’ mit dem riesigen Kreuz geködert, ohne die Brutalität der Ästhetik richtig zu schildern (wie auch, war ja selbst vorher noch nicht da).
Dieses Monument ist zumindest in Europa einmalig. Weder Mussolini noch Hitler hatten Zeit und Ressourcen, um einen Ort nach ihrem Weltbild zu formen. Schon allein dieser Umstand rechtfertigt für mich den Besuch. Letztendlich ist das Valle sogar eine gute Werbung gegen den Nationalsozialismus, denn gerade im Detail zeigt sich, daß deren Wunschdenken oft nicht mit der Realität harmoniert. Vieles wirkt erschreckend platt. Die Evangelisten waren warscheinlich eher klein und krummnasig und selbst wenn nicht sahen sie sicher nicht so aus, wie die übermenschlichen Ideale, welche die Sockelfiguren symbolisieren. Für mich als semigläubigen Christen wirken die neoklassizistischen Darstellungen von Jesus ebenfalls eher verstörend. Die Instumentalisierung ist so offensichtlich, wie man es nicht mal von Unternehmen gewöhnt ist.
Letztendlich bleibt eine Verwunderung über die Rechtfertigung des mediteranen Faschismus. Warum rennt man blonden Riesen nach, obwohl 99% der Bevölkerung weder groß noch blond ist?
25. September 2006 um 18:39
Na du!
Klasse Bericht! Sehr lehrreich! Wusste ja, dass du hinwolltest. War anscheinend dir richtige Entscheidung!
Die Bilder sprechen ja schon Bände und mit deinen Ausführungen kann man sich ein kleines Bild von diesem Monstrum machen!
Danke dafür!
29. September 2006 um 18:08
Hallo!
Super, endlich hatte ich mal wieder Internet und Zeit den langersehnten Eintrag zu lesen. Sehr treffende Beschreibung diesen schönen Tages, der dennoch einen gewissen fragwürdigen und bitteren Geschmack bei uns allen hinterlassen hat. Selbst mein 3-Wetter-Taft hat versagt… sowas!
Ich danke euch nochmal für eure Ausdauer an diesem Tag, nachdem die Nacht doch relativ kurz war…
Ich hoffe, dir gehts gut und ich wünsch dir einen guten Re-start in Berlin.
Grüssle Chris
11. Oktober 2006 um 22:58
Und habt ihr ein paar Faschisten erfürchtig niederknien sehen?
08. Oktober 2008 um 19:44
Ich war 1980 dort.
Ich habe seitdem nie mehr etwas so Imposantes gesehen.
Nein, damals knieten keine Faschisten, weder in der Basilika,
noch im Gelände davor.
Ich kann nur jedem raten: Fahrt hin, wenn ihr in der Nähe seid.
Ciao
Kentumi