Weihnachten/Neujahr ’06

Nachdem ich 5 Tage auf dem Land quasi ohne Internet verbracht habe ein nachträglicher Weihnachtsgruß und einige Bilder

Nachdem wir uns auf dem Land eingerichtet hatten kam mein Großvater mit seinem neuen Wagen zu Besuch und hinterließ uns zwei Flaschen 1979′er aus der AOC Crozes-Hermitage. Nur soviel dazu: Hätte man ihn 1985 geöffnet wäre das auch ok gewesen. Aber für Glühwein kann man ihn noch empfehlen.

Für den Abend des 23. hatte unser Nachbar ein Feuer hinter unserer Scheune vorbereitet. O-Ton “Jaja, am 23. darf man ja bis zu 2 qm verbrennen”.

Kleiner Sideplot: Bin am selben Nachmittag zum NP im schönen Ort Iden gefahren (NP steht für “Niedrig Preis” – dolle Supermarktkette in Sachsen Anhalt), um 4 Kilo Apfelsinen und Eier zu kaufen. An der Kasse fragt meine Schwester, was sie zuerst einpacken soll, worauf ich in meiner Gehässigkeit antworte, daß die Eier unten liegen sollten. Prompt die Supermarktkassierin: “Also ich würde die Apfelsinen zuerst in die Tüte packen und danach die Eier drauf”. Ich entgegnete, daß mein Kommentar eher von Sarkasmus geprägt war, worauf sie ganz still wurde, weil sie das Wort “Sarkasmus” wohl nicht einordnen konnte. Jetzt frage ich mich, wer sich worüber mehr beschweren kann in diesem Land: Die Landbevölkerung über die Arroganz der Städter oder die Stadtbevölkerung über den Mangel an Glauben in die Kompetenz ebendierser. Ich glaube die junge Frau fürchtete wirklich, daß wir die Eier unter den Apfelsinen zerquetschen, weil wir es nicht besser wissen.

Abends an gleicher Stelle. Man kann tun was man will – Schafe sehen irgendwie nie anmütig aus. Klug wie sie sind rannte eines von ihnen auch gleich in Panik über eine Gans, die wie durch ein Wunder noch lebt.

Noch ein wenig Stroh zum Anzünden und ab gehts.

So ziemlich das größte Feuer, was wir je hatten. Wobei wir schon viel interessantere Dinge verbrannt haben. U.a. ein Trabant, Teppichrollen und diverse Traktorreifen. Ihr mögt es nicht glauben, aber Trabanten brennen wirklich schwarz-rot-gold (und hinterlassen bei gutem Wind eine ca. 500 Meter lange Spur von Ruß auf den folgenden Feldern).
Unser Haus sowie die Feuerstelle kann man übrigens auch mit Google Earth anschauen. Die Feuerstelle ist der weiße Punkt im nördlichen Garten, gleich neben dem Schatten, den der große Nußbaum wirft.

Weiter zum Heiligabend:


Die Johanniskirche in Werben. Immer wieder gut, denn der Weihnachtsgottesdienst in der um 1200 erbauten Kirche findet in der Regel nur von Kerzen beleuchtet statt. Außerdem werden konsequent nur die Klassiker unter den Weihnachtsliedern gesungen. Sehr empfehlenswert. Profis bringen Decken mit, denn es wird nicht geheizt. Eine ältere Dame erklärte mir während des Gottesdienst, daß man Wachsflecken am besten mit einem Bügeleisen und Löschpapier entfernen kann. Ich tat so, als hätte ich mit meinen fast 25 Jahren etwas gelernt.

Danach die Bescherung und Weihnachtsbaum bestaunen, den Torsten (als überzeugter Atheist) inzwischen liebevoll geschmückt hatte. Danach gab es lecker Raclette.

Am ersten Weihnachtsfeiertag kroch der Nebel langsam die Felder hoch. Die Wolke im Hintergrund kommt übrigens von Europas größtem Zellstoffwerk, welches zu meinem Unmut nachts den ganzen Himmel hell erleuchtet, so daß man die Milchstraße nicht mehr gut sehen kann.

Anyways, ich hoffe ihr alle hattet ein genauso entspanntes und angenehmes Weihnachtsfest und kommt gut ins neue Jahr. Ich werde mich morgen bzw. heute nach Warschau begeben, um mir die Stadt anzusehen und mit guten Freunden den Jahreswechsel gehörig zu feiern. Ich melde mich im Januar dann mit neuen Bildern.

Alles gute!

PS: Nach diesem Eintrag überlege ich, ob ich nicht mal einen Guide zur Diplomatie zwischen Stadt und ländlichen Regionen im Osten schreiben sollte. Könnte beiden Seiten sicher nicht schaden…

Eine Antwort zu “Weihnachten/Neujahr ’06”

  1. Chris sagt:

    soso,

    die Ostlandbevölkerung hat es dir wohl angetan. Um mein japanisches Weihnachten zu beschreiben bräuchte ich leider mehr Zeit, von daher wünsch ich dir nur kurz eine frohe Zeit in Warschau….

    gute nacht,

    C

    p.s.: das ist ein ziemlich schlechter Kommentar, aber hier ist es auch schon spät, also darf ich das.

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