CoS in Berlin

Dienstag, 17:20, Wilmersdorfer Straße: Ein älterer Herr verteilt Flyer an der Ecke Pestalozzistraße. Das ist ungefähr so spektakulär wie Sand in der Wüste, jedoch sieht der Mann nicht aus, als würde er das öfter machen. Ich nehme also trotz meiner üblichen Praxis einen Zettel und staune nicht schlecht: Auf der Vorderseite steht in Majuskeln “PERSÖNLICHKEITS TEST”.

Darunter - ich paraphrasiere hier - das Versprechen, daß man kostenlos und ohne darauf folgende Verpflichtungen an einem Intelligenz- und Persönlichkeitstest teilnehmen kann. Geöffnet habe man bis 23 Uhr jeden Tag. Fast ein Viertel der Vorderseite besteht aus einer Karte, welche sehr detailgetreu den Weg zum Scientology HQ Berlin weist.

Ich kratze mich verwundert am Kopf, während ich mir meinen Weg zur Bismarkstraße bahne. Die Rückseite des Zettels beschäftigt sich mit einer fiktiven “Testauswertung” in Form eines Liniendiagrammes. Kategorien wie “STABIL”, “GLÜCKLICH” oder “DURCHSETZUNGSFÄHIG” werden jeweilig einem IQ zugemessen. Die Linie im Beispiel fluktuiert irgendwo zwischen +80 und -40. Der Bereich zwischen +30 und -20 (in etwa) ist in folgende Kategorien eingeteilt: “Akzeptierbar unter perfekten Umständen” sowie “Aufmerksamkeit wünschenswert”. Wohlgemerkt liegt letztere Kategorie oben. Ich passiere den Zebrastreifen und sinniere darüber, wie man perfekte Umstände definiert. Dabei fällt mir eine dritte Kategorie auf: Werte unterhalb dieser Kategorien machen “Aufmerksamkeit dringend erforderlich”.

Ein Schelm, wer jetzt denkt, daß Scientology auf die Idee käme, diese Persönlichkeitstests so auszuwerten, daß Hilfe ihrerseits in gewissen Persönlichkeitsbereichen nötig wäre.

Hier endet diese Geschichte - ich hätte den Flyer gerne eingescannt und online gestellt, jedoch hindert mich ein kleines (c) auf ebendiesem daran. Außerdem wäre es mal interessant gewesen, die Glaubensgrundsätze von Scientology zu erörtern. Jedoch sind die interessanten Passagen ebenfalls rechtlich geschützt. Es bleibt nur noch die Frage, wie man sich über die “Scientology Kirche” informieren kann, ohne ihr beizutreten.

Abschließend noch 2 Links auf Leute, die sich mehr trauen:

Operation Clambake ist eine (englische) Zusammenfassung über die Aktivitäten von Scientology

Xenu Leaflet erklärt Dinge, die man sonst erst nach Jahren und tausenden von Euro erfährt

2 Antworten zu “CoS in Berlin”

  1. Phil v. Sassen sagt:

    Der Hauptstadtblog berichtet ebenfalls und erhält interessante Kommentare von “Insidern”: http://www.hauptstadtblog.de/article/2746/berlin-am-dienstag-den-9-januar-2007

  2. R0BERT sagt:

    Ein kleiner Nachtrag: 6 Tage später stand an gleicher Stelle ein Stelltisch mit Hubbard-Literatur und einem Gerät, welches einem E-Meter ähnlich sah. Anscheinend ist es ihnen wirklich ernst, das “Bollwerk Deutschland” zu knacken. Der Zeitpunkt ist auch gut gewählt - vor 10 Jahren hätte ähnliches Gebaren in Deutschland massive Proteste verursacht (man denke nur an die Boykotte gegen Filme mit Tom Cruise). Momentan sind verwaiste Koffer auf deutschen Lokalbahnhöfen einfach wichtiger als totalitäre Sekten, welche Gewinnmaximierung als Primärziel führen.

    Schade um die Menschen, die sich wirklich anwerben lassen und ihren Lebensinhalt einer zweifelhaften Sache durch Geld und Zeit opfern. Aber was ist schon Scientology gegen die allgegenwärtige Terrorgefahr, welche uns alle umgibt?

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