Architecture in Beijing

Jaja, ich weiß, ich wollte eigentlich über Shanghai bloggen. Ludwig fragte schon, ob man sich Sorgen machen muß um mich. Aber weit gefehlt: Die Sache ist einfach, daß wir Crash-Test-Dummies für diesen Studiengang waren und daß wir uns deshalb mit einem Pensum plagten, welches das letzte Semester sogar noch übertraf.
Und wenn man dann mal feiern ging, wachte man am nächsten Morgen nackt in einer Damentoillete auf und sah die Welt mit ganz anderen Augen. Aber genug gejammert, denn ich habe mir vorgenommen, alles ganz artig nachzutragen:

Setting: Ludwig flog mit seinem Vater und “kleinem” Bruder sowie einem Tross von Architekten nach Peking, wo ich sie treffen wollte. Nach einer genialen Preiskalkulation (”Flüge werden billiger, wenn ich bis zum letzten Tag warte”), entschied ich mich für den Zug.

Der Zug war gefühlte 2km lang. Natürlich stieg ich am falschen Ende ein.

Immerhin war der Zug gut ausgeschildert - nachdem ich im Warteraum im Raucherbereich neben den Wickeltischen ca. eine Stunde gewartet hatte war ich froh, endlich mal zu wissen, wohin es geht.

Da ich etwas spät dran war konnte ich nur noch einen “Soft Seat” ergattern. Soft Seats kosten etwa 25 Euro und man kommt dafür immerhin 1300km weit. Romain kam kurz darauf in einem Hard Seat nach und nach seiner Schilderung kann ich noch glücklich schätzen, denn ich habe mindestens eine Stunde im Zug schlafen können. Aber auf Bilder hatte ich trotzdem keine Lust.

Am nächsten Morgen um 7 Uhr hatte ich das Problem, daß ich keine Ahnung von Peking habe und Ludwig erst um 12:30 landete. Also fuhr ich bei klirrender Kälte zur verbotenen Stadt. Aufgrund des 17. Parteitags war das Zentrum von Polizisten förmlich gestaffelt. Letztendlich habe ich dieses eine Bild von dem neuen Theater gemacht (daß es das Theater ist erfuhr ich erst lange nach meiner Fahrt - war ich gut informiert!).

Nachdem ich mich 3 Stunden auf dem Flughafen höchst verdächtig rumgetrieben habe, fuhren wir zum Hotel und deponierten unsere Sachen.

Ludwigs kleiner Buder Felix in der U-Bahn.

Umsteigen in der Rush-Hour…

Auf dem Platz des himmlischen Friedens. Ludwigs eher joviales Lächeln rührt daher, daß wir gerade diskutierten, wozu die Wand zur linken dient (mein Favorit sind standrechtliche Erschießungen, aber es stellte sich heraus, daß auf der anderen Seite einfach nur ein Schriftzug prangt)

Helden der Arbeit. Ein kleiner Trost dafür, daß das Mao-Mausoleum dahinter geschlossen war - mein Traum, alle bedeutenden Mausolea der Welt zu besuchen, rückte in weite ferne.

Da ich nicht mehr im Land verweile kann ich es ja sagen: Die chinesische Regierung hat unheimliche Angst davor, daß jemand auf dem Platz des himmlischen Friedens demonstriert. Deshalb wird man vorher durchsucht und alle 5 Meter steht ein Wachmann rum. Dieser hier überwacht die eher profane Installation für die olympischen Spiele 2008.

Für das Bild hätte ich auch einfach auf Wikipedia gehen können, aber ist ja alles zensiert in China…

Nochmal mit Wachablösung. Allerdings war die Situation auch besonders, denn zum Parteitag werden alle Kräfte mobilisiert. Angeblich wurden 824.000 Bürger für die Sicherheit des Parteitags eingesetzt. Dazu kommen noch reguläre Kräfte von Polizei und Armee. Laut eines Bloggers aus Peking, dessen Seite ich leider nicht mehr finde, kamen auf jedes Kongressmitglied rund 1500 Sicherheitskräfte.

In der verbotenen Stadt. O-Ton: Symmetrie kommt überall gut an.

Abends führte uns eine Bekannte von Ludwig in ein sehr verstecktes Restaurant in den Hutongs nahe des Trommelturms - ich sah mich bestätigt darin, daß man gerade ohne “Marco Polo mit Insider-Tipps” zum Ziel kommen kann. Leider habe ich ihren Namen vergessen - shame on me. Daneben sitzt Ludwigs Vater.

Wir beide hatten jedenfalls unseren Spaß.

Nach gefühlten 10 Minuten Schlaf ging es am nächsten Morgen nach Sumatai, um die große Mauer anzuschauen.

Mit Felix in einer Gondel, welche auch in den 70′ern gerne in den Alpen eingesetzt wurde.

Die Gondel wackelte leicht, aber Übelkeit konnte ich noch überspielen.

Felix’ und Ludwigs Vater machte Fotos von unserer Gondel und originell wie wir sind erwiederten wir die Geste…

So chillt man an der Mauer, jedenfalls wenn man genug Opium dabei hat…

Wieder so eine höflich-bestimmte Aufforderung, daß man seinen Kram nicht wegwerfen soll. Als ware Rebellen haben wir oben natürlich…


…erstmal eine Kippe geraucht.

Wo führt das hin und warum hat man eigentlich nicht damit aufgehört, nachdem die Mongolen geschlagen wurden? So eine Mauer sieht natürlich nett aus und hilft ungemein, Handelsrestriktionen durchzusetzen…

Gute Laune auf dem Gipfel - der Weg nach unten gestaltete sich schwierig, weil die Stufen eher steil und unförmig waren. Ohne Krankenversicherung machte ich mir schon etwas Sorgen, auszurutschen.

Zu meinem Glück konnten wir den Weg über eine Art Seilbahn verkürzen.

Rückblickend waren das gut investierte 40 RMB.

Am Abend gingen wir dann auf eine Party und ich ging zwischendurch mit Felix und Romain in den Hutongs einen trinken. Etwas später jointen uns dann Ludwig und Huqi, die einen fantastischen Laden neben dem Trommelturm kannte, wo man hervorragende Longdrinks bekommt und u.a. Billard spielen kann.

Dementsprechend müde ging es am nächsten Morgen zurück nach Shanghai.

Up next: Surprise - zurück in Shanghai und quicklebendig.

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